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08.03.2008---Berlin

Interview mit Tivadar Nemesi und Laszlo Moldvai von HANGOK für rockradio.de und keletizene.de

Frage: Im Gegensatz zu Gitarre und Schlagzeug kann sich nicht gleich jeder eine Vorstellung vom Hang machen. Was also ist das Hang?

Laszlo Moldvai: Das Hang ist ein Ufo und was es mit diesem Ufo auf sich hat, das kann Tivadar besser erklären.

Tivadar Nemesi: Das Hang ist ein Instrument, welches im Jahre 2000 in der Schweiz von Sabina Schärer und Felix Rohner entwickelt wurde und wirklich wie die Miniaturausgabe eines Ufos aussieht, oder wie zwei aufeinander geklebte Steel Drum. Der Klang ließe sich am ehesten mit Steel Drum, Harfe, Zimbal und Klavier vergleichen, je nachdem, auf welche Weise man das Instrument schlägt.´´Hang´´ ist im Berner Deutsch die Entsprechung für ´´Hand´´, man darf es also nur mit der Hand spielen. Beide Seiten sind bespielbar, die untere davon für die tieferen Töne, ähnlich der Udu oder der Tabla. Die erste Generation kam wie gesagt vor acht Jahren auf dem Markt und umfasste acht Töne; einen Grundton - Ding - und verschiedene Oktaven. Die neueste Generation des Hang hat nur sieben Töne,  die tiefer gesetzt sind und einen noch schöneren, volleren Klang haben.

Laszlo Moldvai: Ganz kurz noch mal zurück zu den Ufos. Ich habe vor kurzem gehört, dass die japanischen Streitkräfte auch ein sehr ausgeprägtes Interesse daran haben, die Ufos zu ergründen und der japanische Verteidigungsminister gar eine Art Marshall-Plan ausgearbeitet hat zu deren Abwehr. Wir nun möchten gern die Situation dahingehend befrieden, dass wir dem japanischen Minister zur Deeskalation unsere Ufos präsentieren...

Frage: Wir werden diesen Vorschlag unverzüglich auf diplomatischem Wege weiterleiten...Wie aber seid ihr zum Hang gekommen, oder kamen diese Ufos eines Nachts und bemächtigten sich eurer? 

Tivadar Nemesi: Ich bin ja von Hause aus Perkussionist und eigentlich immer auf der Suche nach neuen schlagenden Argumenten. Ich habe jahrelang Schattentheater gemacht und diese Aufführungen begleitet mit allen möglichen perkussiven Instrumentarien. Eines Tages war ich wieder beim diesbezüglichen Dealer meines Vertrauens - einem langjährigen, sehr gutem Freund von mir, dessen Geschäft nicht unerwähnt bleiben sollte: Pulse Percussion Berlin - und der empfing mich mit der Frohen Botschaft, dass er da ein völlig neues, bislang un-erhörtes Schlagwerk habe und es mir vorstellen möchte. Das hielt ich zunächst für einen seiner üblichen Scherze, doch schon in jenem Moment, als er mir den entsprechenden Flyer zeigte, war ich angenehm überrascht, bedeutet doch ´´Hang´´ im Ungarischen Klang, Stimme. Diese freudige Überraschung steigerte sich dann beim live-haftigen Anblick des Instruments und seiner merkwürdigen Form, seinem ganz eigenen Klang noch mehr und potenzierte sich zur Liebe auf den ersten akustischen Blick. Ich spielte an Ort und Stelle zwei Stunden damit herum und mir war klar, das Hang und ich, wir hatten uns gefunden!

Frage: Mal angenommen, der Fredy würde sich jetzt an Ort und Stelle ebenfalls unsterblich in das Instrument verlieben, könnte er dann in jedem x-beliebigen Musikgeschäft seine Balz kundtun?

Tivadar Nemesi: Damals konnte man das Hang noch beim Grossisten ordern, in diesem Falle bei ´´Anklang´´ in der Nähe von Freiburg, so bin ich auch zu meinem gekommen, dessen Tonleiter mir aber nicht so sehr gefiel, so dass ich es umtauschen wollte. Davon riet mir aber Laszlo ab, denn ihm gefiel diese und so kam er zu seinem ersten Hang.
Inzwischen gibt es nur noch die Möglichkeit, es direkt beim Hersteller, z.B. PanArt in Bern, zu erwerben, wo es dann nach den Vorstellungen und Wünschen des Bestellers gefertigt wird.

Laszlo Moldvai: Ich habe also Tivadars erstes Hang übernommen, weil es für mich eine richtig tolle  Herausforderung war, so eine exotische Tonleiter einmal beherrschen zu können. Auf diesem Wege nun bin ich ich schon ein gutes Stück fortgeschritten und bin zudem sehr stolz darauf, eines der ältesten Hang-Exemplare zu besitzen, auch wenn es sehr schwer ist, darauf zu spielen und ich mir manchmal dabei Verletzungen zuziehe wie z.B. ein eingerissenes Nagelbett. Aber dafür gibt´s ja Pflaster - und dann geht´s weiter. Mich fasziniert dieser Ur-Klang des Instruments - und wenn ich richtig draufschlage, wird´s sogar der Ur-Knall.
Dafür, dass er mich mit dem Hang bekannt gemacht hat und mir dadurch die Möglichkeit eröffnete, dieser großen Liebe teilhaftig zu werden, möchte ich mich auch noch einmal in aller Öffentlichkeit bei Tivadar bedanken.
Wir beide, Tivadar und ich, spielen schon lange, lange Zeit zusammen und haben dabei viele verschiedene Instrumente ausprobiert und dies auch schätzen und lieben gelernt, das Hang jedoch ist unsere neueste Liebe, auch weil es anhand seiner Form zu den vielfältigsten Assoziationen einlädt, z.B. erinnert es auch etwas an einen Hügel in einer Landschaft. Dazu fält mir gerade ein sehr schönes, philosophisches Gedicht von Ernst Jandl ein.

Gefährliche Landschaft

droht Berge

droht

droht täler

Frage: Während Laszlo sich jetzt zu seinem Stuhl begibt für die nun gleich kommenden Live-Haftigkeiten und sich in doch eher recht unbedrohliche Schwingungen versetzt, die Lieschen-Müller-Frage nach der Inspiration und deren Erlangung. Die meisten Stücke sind doch eher meditativer Art, in sich ruhend und entspannt, manchmal aber auch dezent swingend oder gar ´´angerockt´´ Auf welche Berge, durch welche Täler müsst ihr dazu schreiten?

Tivadar Nemesi: Da gibt das Instrument, gibt der Hang-Klang, schon den Rahmen vor, denn es ist beispielsweise sehr, sehr schwierig, aggressive Töne damit spielen zu wollen. Wir kennen uns beide schon lange Zeit, haben in den siebziger Jahren schon zusammen in Budapest gespielt, Jazz, zeitgenössische und sogenannte Unterhaltungs-Musik. Laszlo an Cello und Kontrabass, später am Klavier, ich natürlich Schlagzeug und Percussion, manchmal auch Trompete und Klarinette oder Vibraphon. Schon damals haben wir reichlich improvisiert, das ist unsere eigentliche musikalische Sprache, in der wir auch unsere Kommunikation per Hang führen. Da bieten sich ja Improvisationen über bestimmte Themen erst einmal an, inzwischen wird aber auch konsequent durchkomponiert.

Frage: Was werden wir jetzt als erstes Stück hören?

Tivadar Nemesi: Passend zur gestrigen Nacht ´´Neumond´´ und danach dann natürlich kommen die ´´Ufos´´...

LIVE

Tivadar Nemesi: Die Entstehung der Stücke ist immmer unterschiedlich, meistens improvisieren wir über ein Thema, davon wird dann ein Teil ausgewählt und notiert. Das ist dann Laszlos Part, er komponiert und ich spiele dann nach seinen Noten, also heißt es ´´üben, üben, üben´´, aber das kann Laszlo besser ausführen...

Laszlo Moldvai: ...damals in Ungarn, als wir noch jung und jünger waren, wurde uns natürlich auch die Aussage von unserem großen Freund und Führer Wladimir der Ijitsch eingebleut - und das woll(t)en wir dann auch, zumindest darin stimm(t)en wir mit ihm überein. Zudem arbeiten wir ja auch daran, das Hang fest im ´´normalen Konzertbetrieb´´ zu verankern, da sind öffentliche Auftritte im Freien, wie beispielsweise im Sommer des vergangenen Jahres auf der Oberbaumbrücke sehr förderlich. Um aber auch mit öffentlichen Geldern gefördert zu werden, mußt du dich aber beim Berliner Senat eindeutig - und eindeutig deutsch - definieren, ob du nun U- oder E-Musik spielst - das können wir aber nicht, nicht ohne Grund endet ja auch unsere web-site mit ´´eu´´, wobei ich schon die Hoffnung hege, dass es auch diesen Rahmen sprengt. Es soll eher eine Brücke sein, die viele Leute aus vielen verschiedenen Richtungen miteinander verbinden kann, egal ob und wie sich selbst bezeichnen oder welcher Stempel zur besseren = fragwürdigen Verortung ihnen aufgedrückt wird.

Frage: Ihr selbst seit da ja auch sehr offen, es gab und gibt da die verschiedensten Projkte, z.B. mit der Akkordeonistin Cathrin Pfeifer...

Tivadar Nemesi: Ja, gab es, gibt es und wird es auch weiterhin geben. so haben wir beispielsweise im neu eröffneten Haus Ungarn, dem CHB, die Möglichkeit bekommen, allmonatlich einen Hangok-Klub zu führen, bei dem wir selbst auftreten und uns dazu Gäste aus aller Welt einladen, aber natürlich auch Musiker aus Ungarn und Berlin. Die genauen Termine werden dann rechtzeitig auf unserer web-site und der des CHB bekannt gegeben.

Frage: Wie ist bislang die Resonanz auf eure Musik, eure Auftritte? Ihr habt ja wohl schon eine kleines, aber festes Stammpublikum, das regelmäßig zu euren Konzerten kommt?

Tivadar Nemesi: Ja, das gibt es und das freut uns natürlich, zumal es zum großen Teil jüngere Leute sind, die sich dafür begeistern und diesen doch ungewohnten, merk-würdigen Klang genießen und auch offen sind für scheinbar ungewöhnliche instrumentelle Erweiterungen. Aber dazu kann der Laszlo mehr sagen...

Laszlo Moldvai: Ich arbeite gerade an Stücken für Hang und Zimbal, auch so ein Instrument, welches mich schon seit Kindheitstagen fasziniert. Zuhause in Ungarn habe ich immer die Zigeunermusiker beobachtet, deren fantastische Beherrschung ihrer Instrumente, speziell des Zimbal - die Ungarn sagen dazu Cimbalom - und mittlerweile denke ich, dass das Hang sehr gut zum Klangbild der Zimbal passt. Aber das sind bis jetzt lediglich ein paar kleine Skizzen, die da am Entstehen sind, ich rede nicht gern über ungelegte Eier.
Natürlich ist es schön, dass viele junge Leute zu unseren Konzerten kommen, aber auch den älteren Semestern rufe ich ein herzliches ´´Willkommen!´´ zu, denn ich glaube, dass auch die fortgeschritteneren Jahrgänge Freude an unserer Musik empfinden könn(t)en. Spannend ist natürlich auch die unterschiedliche soziale Zusammensetzung des Publikums, treffen wir doch im Theater auf völlig andere Leute, die dann nach der Vorstellung wiederum auf ihre Art uns ihre Begeisterung bekunden - wie letztens in Wien geschehen -  als wenn wir in der Galerie nebenan oder im Club um die Ecke auftreten.
Das war herrlich, nach der Aufführung eines griechischen Stückes - Philoktet , nicht in der bekannteren Version von Heiner Müller und dem trojanischen Krieg, sondern in der von Jannis Ritsos, mit aktuellem Zeitbezug, dem Krieg im Irak - und die Leute dann, berührt durch den echten, archaischen Klang des Hang, fragen, ob diese Instrumente aber vielleicht doch aus der Handlungszeit des Stückes stammen. Das haben wir natürlich bejaht, man darf sich das ruhig herbeiträumen.
Wir machen aber auch Musik zu Tanzproduktionen, spielen in Jazz-Klubs - dort vorzugsweise mit Klavier. Zusammenfassend - lang die Rede, kurz der Sinn - möchte ich sagen, dass die Begeisterung das Entscheidende ist, egal, wie sie sich äußert, in welcher Form sie zum Ausdruck gebracht wird. Wenn die Leute sich nach unseren Konzerten freuen, sind auch wir glücklich, so lange arbeiten wir auch weiter - mindestens.

LIVE

Frage: Gibt es Hang-Virtuosen, an denen ihr euch orientiert?

Tivadar Nemesi: Orientieren wäre zuviel gesagt, aber wir schauen schon, was die Kollegen da so treiben. Das näher auszuführen, würde jetzt die Sendung sprengen, darum kann ich allen, die sich für das Hang und seinen Klang interessieren, nur diese web-site empfehlen:

http://www.hangblog.org/

Da findet man alle Informationen zum Instrument selbst und zu Musikern  unterschiedlichster Nationalität.

Laszlo Moldvai: Wenn wir dann, wie zugesagt, ab Ende Mai unseren Hangok-Klub im CHB eröffnen dürfen, möchten wir zunächst ein Hangok-Forum ins Leben rufen, sind wir doch auch selbst daran interessiert, die Leute kennenzulernen, die dieses Instrument spielen. Einige kennen wir schon, die hier in Berlin und Potsdam leben, aber auch diejenigen, die sich für das Hang ´´nur´´ interessieren, sind dazu herzlich willkommen. Inzwischen gibt es sogar schon eine Musikschule, an welcher man das Spielen erlernen kann, da sind wir also nicht mehr die einzigsten; auch diese Leute möchten wir gern kennen lernen.
Das sind unsere Vorstellungen, ist unsere ´´Theorie´´,  für die nähere Zukunft, jetzt aber wieder etwas aus der Praxis. Wir spielen jetzt ein Stück mit dem Titel ´´Glocken´´´, im Ungarischen ´´Harangok´´ , bei uns firmiert es aber unter der griechischen Bezeichnung ´´Kambanes´´....

LIVE

Frage: Schaut man euch beim Spielen zu, so sieht alles sehr leicht und flüssig aus. Wie lange hat es bei euch gedauert bis ihr auf diesem Level angekommen seid? 

Tivadar Nemesi: Wie bei jedem anderen akustischen Instrument auch, muss man zunächst einmal selbiges einspielen, man muss mit ihm warm werden, Freundschaft schliessen und es schliesslich auch lieben können - das dauert aber seine Zeit.

Laszlo Moldvai: Die Liebe ist bei allem sehr wichtig, wie wir wissen, und so natürlich auch die Liebe zum Instrument. Aber wie im richtigen Leben reicht Liebe allein natürlich nicht aus, man muss auch üben. Dieses Üben hat bei mir über ein Jahr gedauert, dann merkte ich, dass dieses Instrument auch wesentlich weichere Register hat als die, die ich ihm bis dato entlocken konnte. Ich weiß aber - wie jeder Instrumentalist - dass ich nie fertig werde auf dem Weg der Erkundung und Meisterung der Möglichkeiten, deshalb mag ich auch jene Antroposophen, die da der Meinung sind, dass wir durch Reinkarnation weitere Chancen bekommen. Dazu kommt, dass die Hersteller des Instruments mit dessen Entwicklung auch immer weiter voranschreiten, sie haben in den dreieinhalb Jahren, seit denen wir Hangianer sind, Unglaubliches geleistet, das zu schildern nur sie allein in der Lage sein dürften. Wer weiß, was sie jetzt schon wieder herausgefunden haben...diese Menschen möchte ich auch sehr gern einmal kennenlernen. Ich muß ohnehin mit ihnen Kontakt aufnehmen, brauche ich doch ihre Hilfe, da eines meiner Hangs verstimmt ist.

Frage: Ihr beide seid ja nun schon einige Jahrzehnte musikalisch und ohne nennenswerte Verstimmungen miteinander verbandelt. Wie habt ihr euch überhaupt kennengelernt?

Tivadar Nemesi: Auf der Strasse. Ich war damals fünfzehn Jahre alt, besuchte die erste Klasse des Budapester Kunst-Gymnasiums und war auf dem Weg in den an der Donau gelegenen ´´Mini´´-Klub, den ich damals regelmässig besuchte und in dem sich immer Musiker trafen. Da lief mir Laszlo über den Weg - mit seinem Cello in der Hand. Eine Woche später hatten wir schon die erste gemeinsame Session: Schlagzeug, Kontrabass, E-Gitarre und elektrisch verstärktes Cello. So entwickelte sich nach und nach eine Freundschaft, wir machten unzählige Sessions, manchmal auch nur zu zweit, in den Jazz-Klubs der Stadt und konnten uns dazu an den Wochenden in einer Grundschule richtig austoben mit großem Flügel und Schlagzeug, ohne Rücksicht auf Uhrzeit und Lautstärke.

Laszlo Moldvai: Der Vater von Tivadar - Tibibá - war damals Direktor dieser Grundschule und hat uns dieses Vergnügen einfach ermöglicht. Da stand im Musikraum dieser Schule doch wirklich dieser fantastische Konzertflügel, noch dazu in sehr gutem Zustand, den wir uns nie hätten leisten können - und wir durften uns daran austoben. In dieser Zeit haben wir unsere erste große Entwicklung miteinander erlebt, in eben jenem Raum haben wir zum ersten Mal von der Freiheit gekostet. Aber auch wenn Ungarn gemeinhin als ´´die lustigste Baracke des Ostblocks´´ galt, änderte das nichts an unserem grenzenlosen Freiheitsdurst, an unserer Sehnsucht nach unbeschränkter Weite. Diese konnten wir natürlich auch in Ungarn nicht ausleben, vom restlichen Osteuropa erst gar nicht zu reden...Und jetzt, Jahrzehnte später, sitzen wir hier, in Berlin -Friedrichshain, und haben diese grenzenlose Freiheit - aber bei weitem eben nicht so schön, wie wir uns das damals erträumt hatten. Zumindest aber sind wir in dem Sinne grenzenlos frei, dass wir uns entfalten können - trotz aller anderen, immer größer werdenden Schwierigkeiten, zunehmender Schweinereien und immer mangelnderen Gerechtigkeiten. Diese individuelle Freiheit, die Möglichkeit, sich seiner eigenen Begrenzungen bewußt zu werden und sich dieser zu entledigen, ist aber nach wie vor gegeben und da wünsche ich mir, das weitaus mehr Leute sich auch dessen bewußt werden und möchte sie auf diesem Wege dazu ermuntern. Machen Sie das auch!

Frage: Das war schon beinahe ein klassisches Schlußwort, doch wir haben noch eine gute halbe Stunde. Was werden wir jetzt hören?

Tivadar Nemesi: Das ist wieder ein Teil aus unserem griechischen Zyklus und heißt ``turios ippos´´ = Trojanisches Pferd´´...

LIVE

Frage: Keines eurer Konzerte gleicht dem anderen, so dass es meinem Eindruck nach schon reichlich Material für ein, zwei CDs gibt. Wie ist da der aktuelle Stand der Dinge?

Tivadar Nemesi: Sehr gut. Momentan haben wir ein zweistündiges Konzertprogramm und sind am auswählen, welche Stücke daraus wir auf CD veröffentlichen wollen. Wir haben auch schon Angebote diverser Studios, aber es eilt nicht. Allerdings sollte das schon noch in diesem Jahr geschehen.

Laszlo Moldvai: Unser größtes Problem dabei ist die Zusammenstellung, das Auswählen, kommen doch immer wieder neue Kompositionen hinzu, so dass wir am liebsten eine Doppel-CD aufnehmen möchten: und wenn wir noch lange damit warten, dann erscheint am Ende gar eine Drei- oder Vierfach-CD, die wir dann zu unseren Favoriten hinzufügen können.

Frage: Klasse Vorlage - welche Musik läuft bei euch zu Hause, welche Vorlieben oder gar musikalische Ikonen habt ihr, mit wem würdet ihr gern einmal die Bühne teilen?

Laszlo Moldvai: Mit Miles Davis natürlich, aber da sind wir wohl etwas spät dran, trotzdem spiele ich mit ihm regelmässig bei mir zu Hause; die CD läuft, ich spiele dazu und bin grenzenlos glücklich. Natürlich habe ich viele, viele Ikonen, aber wenn ich jetzt anfangen würde, die alle aufzuzählen, würden wir wohl morgen früh noch hier sitzen, seien es nun Jazzer, die ich verehre oder klassische Komponisten, die ich liebe. Ich pilgere mindestens einmal im Jahr nach Leipzig zum Grab von Johann Sebastian Bach, für mich einer der größten Klassiker überhaupt und Béla Bartók natürlich. Da ist es mein großer Kummer, dass die Ungarn ihn immer noch nicht so zu würdigen wissen wie er es verdient hat, das kann leider nur ein Minderheit von Kennern und das empfinde ich nach wie vor als sehr ungerecht. Und damit steht er ja nicht allein, das trifft auch auf ungezählte andere zu.
György Ligeti ist auch einer meiner Helden, da erfüllt es mich mit Stolz, dass ich zum Ligeti-Studio auch meinen Teil beitragen darf. Aber auch im Bereich der Rock- und Popmusik wüßte ich nicht, wo ich da beginnen sollte. Natürlich Omega und die ganze erste ungarische Liga wie LGT, Bergendy oder Illés. Seit vielen Jahren bin ich auch ein ein richtiger Fan von Mitsou, aber nicht nur, weil mein Sohn Mark in dieses Projekt involviert ist. Ein, zwei, viele gemeinsame Konzerte mit ihm, das ist einer meiner innigsten Wünsche.
Aber vielleicht ist das auch gar nicht so wichtig, mit welchen Größen man die Bühne teilt. Ich möchte mit all denen gern zusammen spielen, die mit mir auftreten wollen und ich unterrichte ja auch viele Schüler, da gibt es auch immer Grund zur Freude.

Tivadar Nemesi: Bei mir ist das nicht ganz so einfach wie beim Laszlo, bin ich doch eigentlich Bildender Künstler. Ich hatte mich am schon am Konservatorium beworben und wollte Jazz studieren, habe mich dann aber doch in letzter Minute für ein Malereistudium an der HdK entschieden. Die Musik war aber natürlich immer dabei, sie war mein ständiger Begleiter. Vor sechs Jahren hatten wir in Stuttgart die Möglichkeit, das schon erwähnte Schattentheater zu gründen, wo die Musik natürlich auch wieder eine große Rolle gespielt hat, ich aber beides verbinden konnte. Beim Aufzählen von musikalischen Einflüssen geht es mir ähnlich wie Laszlo, es sind einfach zu viele, aber wenigstens Keith Jarrett möchte ich da nennen, dem ich stundenlang zuhören kann oder Jimi Hendrix, Duke Ellington, John Cage... und so weiter und so weiter, egal ob Rockmusik, zeitgenössische oder Zigeunermusik. Das ist ja nicht nur ein ausgesprochen musikalisches, sonder auch sehr weises Volk: ´´Jeder musiziert so gut er kann´´...Das machen wir jetzt auch wieder mit einem Stück aus den Philoktet-Fragmenten - ´´Säulen´´...

LIVE

Laszlo Moldvai: Das letzte der eben gehörten Stücke ist zigeunerischen Ursprungs, welches wir aber nach Noten spielen, was schon einem Anachronismus gleichkommt. Aber diese, südlich aus der Nähe von Budapest stammende Melodie, haben wir bearbeitet im Rahmen einer grösseren Komposition, dafür brauchen wir dann schon dieses Hilfsmittel...

LIVE

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